IFA-Treffen 2011

Erstes Ludwigsfelder Nutzfahrzeugtreffen 2011

 

Events 2011: IFA-Treffen
Es war ein bewegender Moment! Am 14. Mai 2011 standen Prof. Werner Kohl (82, links im Bild), einst Werkleiter im W50-Entwicklungsbetrieb VEB KFZ-Werk Ernst Grube Werdau und erster Werkleiter im VEB IFA Automobilwerke Ludwigsfelde sowie Meister Eberhard Lumm (82, rechts im Bild), ehemaliger Leiter der Fertigmacherei, vor „ihrem“ ersten IFA W50. Am 17. Juli 1965 fuhr Meister Lumm dieses Fahrzeug als erstes Serienfahrzeug vom Band. Gut 45 Jahre später und 20 Jahre nach Produktionsende am Standort luden die Stadt Ludwigsfelde, der Verein „Freunde der Industriegeschichte Ludwigsfelde e.V.“ (FIL) und als Sponsor und Schirmherr die Firma IFA Service & Handelsges. mbH zu einem ersten Nutzfahrzeugtreffen nach Ludwigsfelde auf die Festwiese ein. Insgesamt etwa 120 IFA W50 und IFA L60 folgten dem Ruf und kamen in die Stadt ihrer Geburt zurück. Da ab 1967 auch alle Prototypen mit Allradantrieb in Horstwalde getestet wurden, war ein Abstecher am 15. Mai 2011 nach Horstwalde ein absolutes „Muss“ – hier ein paar Eindrücke davon.

 

Events 2011: IFA-Treffen
 

Die Fahrzeugvielfalt ließ jeden Liebhaber dieser robusten und im Vergleich mit heutiger Technik einfach geschraubten Fahrzeuge staunen. Der IFA W50 war ursprünglich entwickelt und gebaut, um die Landwirtschaft in der DDR schnell mit leichten Lkw auszurüsten. Insofern steht das Servicefahrzeug mit den zwei Logos (IFA – Industrieverband Fahrzeugbau der DDR und VEB Kombinat Fortschritt Landmaschinenbau) genau für den damaligen Zeitgeist. Kurze Zeit später wurden auf Basis vom IFA W50 an verschiedenen Standorten der DDR etwa 70 Varianten mit Spezialaufbauten ausgerüstet. Auf dem Foto in der Mitte sieht man eine militärische Version. Auf dem Fahrgestellt wurde hier ein sogenannter „Leicht absetzbarer Koffer“ (LAK) aufgesetzt und mit üblichen Containerrasten auf dem Fahrgestellt gesichert. Diese aus glasfaserverstärktem Polyester aufgebauten Einheiten nahmen ihrerseits alle möglichen Arten von Werkstätten (z.B. Elektro- und Scheißwerkstatt, Batterieladestation), Sanitätskraftwagen („Sankra“), Stabskoffer und sogar Felddruckereinen und -bäckereinen auf. Die neuen Besitzer, Helmut und Katharina Müller aus der Steiermark in Österreich hatten von allen Besuchern die weiteste Anreise, was dieses Weltenbummler-Paar nicht abhielt, ebenfalls nach Ludwigsfelde zu kommen. Oben rechts dürfte die jüngste Aufbauvariante zu sehen sein, eine noch betriebsfähige Kehrmaschine der Berliner Stadtreinigung. Dass unter diesem „Outfit“ ein IFA W50 steckt, dürfte nur absoluten Experten aufgefallen sein.

 

Events 2011: IFA-Treffen
 

Der große Ausflug am 15. Mai 2011 nach Horstwalde begann auf der Festwiese in Ludwigsfelde mit einer ordentlichen Kolonnenbildung (o. links). Als Führungsfahrzeug diente Stilecht der P3 von Michael Primus vom Verein FIL, denn dieser Geländewagen ist ebenfalls ein waschechter Ludwigsfelder. In der Zeit von 1962 bis September 1965 wurden im VEB Industriewerke Ludwigsfelde ca. 3.050 Stück dieser mit einem Sechszylinder angetriebenen Allradfahrzeuge gebaut. Das Foto oben Mitte – am Fuß der Steigungsbahnen in Horstwalde – zeigt noch einmal die Typenvielfalt an IFA W50 und IFA L60. Selbstverständlich dominierten zu diesem Ausflug die allradgetriebenen Militärfahrzeuge. Kurz nach der Ankunft gab es eine Unterweisung durch den Leiter der Geschäftsstelle des Fördervereins der Verkehrs-Versuchsanlage Horstwalde e.V. Herrn Alexander Bier (o. rechts). Das war notwendig, denn nicht alle Module des Testgeländes sind für diese Fahrzeuge geeignet bzw. aus formalen Gründen freigegeben. So dürfen die beiden steilsten Steigungsbahnen mit 55 % und 65 % nur berufliche Testfahrer im Auftrag und mit Versicherungsschutz ihrer Firmen befahren. Selbstfahrende Besucher einer geschlossenen Veranstaltung dürfen die Steigungsbahnen bis maximal 45 % Steigung nutzen. Unten links sehen wir zwei IFA L60 mit militärischen LAK-Aufbauten auf 25 % und 30 % (links im Bild) Steigung. Ebenfalls IFA L60 sind auf der 40-cm-Kletterstufe (Mitte) und auf der Verwindungsbahn (rechts) zu sehen. Die 40-cm-Kletterstufe (Mitte) ist für Allrad-Serienfahrzeuge IFA W50 und IFA L60 kein Problem, solange die neuen Besitzer nicht mit zusätzlichen Anbauten sich selbst Höhenbeschränkungen auferlegt haben. Das Bild rechts unten zeigt die Verwindungsbahn 2 mit 96 m Länge. Die maximale Amplitude von 1335 mm ist mit einem IFA W50 oder IFA L60 zwar nicht erreichbar, jedoch war ein Ritt auf der in etwa mittigen Spur für viele Gäste ein besonderes Erlebnis. Die hier nicht sichtbare nördlich gelegene Bahn 1 ist 50 m lang und hat eine maximale Amplitude von 900 mm. Beide Bahnen 1 und 2 bilden einen Ring und es kann an mehreren Stellen ein- und ausgefahren werden.

 

Die Redaktion wünscht dem gesamten Organisationsteam und Sponsoren unter Leitung der Sachgebietsleiterin Museum und Tourismus der Stadt Ludwigsfelde, Frau Ines Krause, für 2013 bestes Gelingen und allen Teilnehmern eine unfallfreie Reise und glückliche Stunden in Ludwigfelde und in Horstwalde. Besonderer Dank gilt den Herren D. Carow und M. Primus für die Überlassung der Fotos und wertvollen redaktionellen Hinweise.

 

 

KU (Stand: 2012-02-07)